Die Herrschaft der Dinge ist allgegenwärtig, wenngleich der Mensch als Subjekt zumeist inmitten der Warhnehmung steht, er würde über die Dinge herrschen. Die Fragestellungen, was ein Objekt ist und wie weit sich die Definition dieses Begriff streckt, wie ein Objekt interagiert und regiert, wie es sich entzieht und präsentiert und wie im Bezug darauf das Subjekt zu verstehen ist, sind zentrale Themen in meiner allgemeinen Arbeit als Künstler. Eben aus diesem Interesse geht in gleichem Maße die geradezu nüchterne Beobachtung hervor, wie die subjektive, spirituelle, sinnliche Sphäre gewöhnlich und alltäglich behandelt wird, was sich thematisch letztlich im Subjekt-Objekt-Dualismus zusammenfassen lässt.

Mit TSVELF DINGE habe ich eine Marke für meine Manufakturarbeit geschaffen, deren Konzept sowohl ernsthaft als auch humorvoll gelesen werden kann, soll und dazwischen hin und her changiert. Die Dinge sind das, um was es geht: in erster Linie physische (reale) Objekte, die einen bestimmten Zweck erfüllen sollen und müssen. Sie dürfen sich nicht weigern. Je stärker die Nutzung, desto mehr werden sie es dennoch tun. Mit dem Label it[id]em ist 2019 der Grundsatz entstanden, der bereits auf diese, als auch immaterielle (sinnliche) Objekte – die items  – und ihre implizierte, generierte, forcierte Identität im Bezug auf und durch das Subjekt zeigt. Die items, also Dinge, sind zählbar, lassen sich in Listen strukturieren und beziehen eine Position.

itidem ist ein Begriff aus dem Lateinischen, während TSVELF die jiddische Schreibweise für Zwölf ist. Jiddisch ist eine aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene westgermanische Sprache, die außer der hochdeutschen auch eine hebräisch-aramäische, eine romanische und eine slawische Komponente aufweist und – im Gegensatz zu Latein – bis heute gesprochen und geschrieben wird. Für beide Brandings war mir wichtig, auf englische Begriffe zu verzichten, die mittlerweile sehr inflationär verwendet werden. Jiddisch bildet eine interessante sprachlich-kulturelle Brücke, die damit sicherlich beim Großteil der Menschen sowohl einen religiösen, als auch einen politischen Aspekt oder Gedanken erzwingt. Mit einer winzigen, harmlosen sprachlichen Verbindung wird damit der menschliche Automatismus bedient, in subjektiver Gewohnheit große, massive Gebiete geradezu reaktiv hinzuzufügen.

Die Zahl Zwölf – das Dutzend – addiert zusätzlichen historischen Bedeutungsreichtum. Zuallererst ist die Zwölf gerade – ein mathematisches wie gesellschaftliches Ideal. Neben weiteren Besonderheiten als Zahl ist eines der wichtigsten Gebiete jedoch die Messung der Zeit. Die Einteilung des Jahres in zwölf Monate und zweimal zwölf Stunden definiert die Gegenwart. Hinzu kommen die biblischen zwölf Apostel, die zwölf Stämme Israels, die Verwendung der Zwölf bei Messungen in Zoll und Fuß, die Zwölftonreihe in der Musik, die zwölf Rauhnächte oder die zwölf Tierkreiszeichen, die auch in der heutigen Astrologie abseits von theologisch imprägnierter Vollkommenheit der organisierten Religionen einen spirituell-praktischen Aspekt zu addieren wünschen. Die Zahl Zwölf ist eine Zahl der Sicherheit, des Schutzes und der Perfektion, bevor mit der Zahl 13 gleichermaßen unbeholfen das Unglück, die Zerstörung, das Ende und das Böse befürchtet wird. In jedem Fall ist die Zwölf allerdings eine Zahl der Orientierung und Klarheit und vor allem eine Zahl, die eine massive, erschlagende Aussage über den menschlichen Geist trifft.

In meinem Projekt 45° habe ich mich mit dem Dimensionsbegriff beschäftigt. In der kurzen Version von TSVELF DINGE – 12D – ist humorvoll angedeutet, das damit sicherlich die harmonischste, geradezu göttliche Dimension der Perfektion zu erwarten ist, während in der durchaus problematischen Esoterik, die hier auch dringend vom Begriff der Spiritualität abzugrenzen ist, auch gerne die Dimensionen gezählt werden, in die ‘aufgestiegen’ wird. Von der Dreidimensionalität ausgehend – bzw. geradezu pragmatisch von Raum und Zeit – muss hier also noch weit gezählt werden. Ob nun zusätzliche mathematisch-geometrische, esoterische, physikalische, spirituelle oder sonstige Dimensionen, die in ihrer Nische und ihrem System schlüssig erscheinen mögen – sie sind allesamt weder nützlich, noch hilfreich, jedoch vor allem nicht zugänglich und damit vermittlungsunfähig. Gleichermaßen ist nicht klar, in welche Richtung sich tatsächlich bewegt werden soll: idealistisch nach oben, unten, links oder rechts, oder ob es doch darum geht, immer mittiger und zentraler zu werden, statt dezentraler, ob verdichtet werden soll bzw. welche Rolle die Entropie spielt.

Zusammenfassend können die zwölf Dinge als Konzept alles sein, in jedem Fall aber idealistisch, perfekt harmonisch und für das Subjekt zuhanden. Sie bilden als ideale Gruppe ihre eigene Dimension, ihre eigene Sphäre. Es sind irgendwelche Dinge, aber definitiv Dinge und in jedem Fall zwölf an der Zahl. Es lohnt sich festzuhalten: Keine der vorangegangenen Informationen und Ideen sind notwendig – tatsächlich sind sie sogar völlig überflüssig und in gewisser Hinsicht sogar hinderlich. Aber der subjektive Bedarf an schlüssiger, reicher Erklärung ist unwahrscheinlich groß, und er ist ein Spiel. Ein Spiel der Absurditäten. Die hergestellten Bezüge gehen an ihrer eigenen massiven Ernsthaftigkeit in Form von infantiler Irrelevanz zugrunde. Übrig bleiben die Dinge/Objekte und die Menschen/Subjekte, sowie die Freude und Verzweiflung, Schlüssigkeit und Sinnlosigkeit, Macht und Ohnmacht in ihrer Kommunikation untereinander, inklusive sperriger Präzision und schwammiger Lebendigkeit. Und genau hier wird die Essenz der Diskussion um heutige, geradezu nüchterne, säkulare Spiritualität als angewandte Sozialtheorie ersichtlich, die ohne jegliche Wahrheitsbehauptungen, -ismus-Generierung und fantastische, mysteriöse Phänomene aller Art auskommt und auskommen muss.



Dinge geben, Dinge nehmen
Dinge sammeln, Dinge verteilen
Dinge kaufen, Dinge tauschen
Dinge schenken, Dinge klauen
Dinge wertig, Dinge billig
Dinge unbekannt, Dinge berühmt
Dinge zeigen, Dinge verstecken
Dinge produzieren, Dinge bieten
Dinge hassen, Dinge lieben
Dinge süchtig, Dinge nüchtern
Dinge kopieren, Dinge löschen
Dinge ändern, Dinge lassen
Dinge konsumieren, Dinge wegwerfen
Dinge verbrauchen, Dinge brauchen
Dinge voll, Dinge leer
Dinge liefern, Dinge holen
Dinge reparieren, Dinge zerstören
Dinge kollabieren, Dinge stabil
Dinge funktionieren, Dinge kaputt
Dinge wirksam, Dinge sinnlos
Dinge nützlich, Dinge irrelevant
Dinge störend, Dinge ideal
Dinge mächtig, Dinge schwach
Dinge neu, Dinge alt
Dinge überholen, Dinge verfolgen
Dinge magisch, Dinge gewöhnlich
Dinge besonders, Dinge wertlos
Dinge schön, Dinge hässlich
Dinge imprägnieren, Dinge waschen
Dinge putzen, Dinge dreckig
Dinge nass, Dinge trocken
Dinge fest, Dinge weich
Dinge flüssig, Dinge zäh
Dinge heiß, Dinge kalt
Dinge laut, Dinge leise
Dinge bunt, Dinge bleich
Dinge glänzend, Dinge matt
Dinge lang, Dinge kurz
Dinge viel, Dinge wenig
Dinge schwer, Dinge leicht
Dinge groß, Dinge klein
Dinge spitz, Dinge stumpf
Dinge schmecken, Dinge duften
Dinge werfen, Dinge fangen
Dinge steigen, Dinge fallen
Dinge stellen, Dinge legen
Dinge ordnen, Dinge mischen
Dinge wachsen, Dinge schrumpfen
Dinge eng, Dinge weit
Dinge betreten, Dinge verlassen
Dinge schließen, Dinge öffnen
Dinge übersetzen, Dinge verschlüsseln
Dinge abstrakt, Dinge ersichtlich
Dinge klar, Dinge milchig
Dinge händisch, Dinge virtuell
Dinge automatisch, Dinge manuell

Dinge haltbar, Dinge flüchtig
Dinge fassbar, Dinge unsichtbar
Dinge da, Dinge weg
Dinge begrenzt, Dinge geistig
Dinge gefüllt, Dinge hohl
Dinge separieren, Dinge stapeln
Dinge stolz, Dinge schüchtern

Dinge gierig, Dinge genügsam
Dinge schlau, Dinge dumm
Dinge lustig, Dinge langweilig
Dinge begeistern, Dinge tot
Dinge bauen, Dinge züchten
Dinge verfallen, Dinge werden
Dinge sterblich, Dinge lebendig
Dinge an, Dinge aus
Dinge bewegen, Dinge still
Dinge spielen, Dinge arbeiten
Dinge ernten, Dinge ausbeuten
Dinge melken, Dinge verschwenden
Dinge drücken, Dinge ziehen
Dinge loslassen, Dinge festhalten
Dinge annehmen, Dinge ablehnen
Dinge aushalten, Dinge beenden
Dinge dreist, Dinge rücksichtsvoll
Dinge frech, Dinge nett
Dinge ehrlich, Dinge lügen
Dinge tückisch, Dinge verlässlich
Dinge gründlich, Dinge oberflächlich
Dinge vollständig, Dinge fehlen
Dinge wach, Dinge schlafen
Dinge hektisch, Dinge langsam
Dinge abwesend, Dinge präsent
Dinge meinen, Dinge tun
Dinge komplex, Dinge simpel
Dinge vielfach, Dinge einfach
Dinge kommentieren, Dinge informieren
Dinge inszenieren, Dinge dokumentieren
Dinge fühlen, Dinge verstehen
Dinge kennen, Dinge vergessen
Dinge verschwinden, Dinge finden
Dinge übersehen, Dinge fokussieren
Dinge kombinieren, Dinge trennen
Dinge verbinden, Dinge brechen
Dinge erniedrigen, Dinge motivieren
Dinge oben, Dinge unten
Dinge links, Dinge rechts
Dinge richtig, Dinge falsch
Dinge grausam, Dinge friedlich
Dinge gefährlich, Dinge harmlos
Dinge abscheulich, Dinge angenehm
Dinge befehlen, Dinge verweigern
Dinge abhängig, Dinge gelöst
Dinge regieren, Dinge gehorchen
Dinge angreifen, Dinge schützen
Dinge inhaftieren, Dinge entlassen
Dinge freundlich, Dinge feindlich
Dinge dringend, Dinge egal
Dinge unfair, Dinge gerecht
Dinge beweisen, Dinge täuschen
Dinge ignorieren, Dinge fixieren
Dinge übertreiben, Dinge vernünftig
Dinge genug, Dinge mangelhaft
Dinge ausgefeilt, Dinge grob
Dinge systematisch, Dinge chaotisch
Dinge perfektionieren, Dinge verschlechtern
Dinge maximieren, Dinge minimieren
Dinge erfinden, Dinge verwerfen
Dinge konzentrieren, Dinge entweichen
Dinge definieren, Dinge ungenau
Dinge öffentlich, Dinge privat



item (en)

noun [ˈaɪtəm] – adverb [ˈaɪtɛm]

latin ‚itidem’/‚item‘ (adverb): in like manner, likewise, in the same way
latin ‚idem‘ (pronoun): the same (as mentioned - id.)


1. A distinct physical object (usable, touchable)
1.1 „ ... several different items in the store.”
1.2 (by extension) An object, that can be picked up and stored for later use; including virtual objects
1.3 One individual object as a piece of many others, forming another object

2. A line of text having a legal or semantic meaning; a seperate particular in an account
2.1 A thing, unit or entry having a numerical value (countable)
2.2 A word to introduce an object, subject, concept or statement in a list or a collection
2.3 A word to highlight organisation, structure and position; likewise, moreover, also, „one item at a time” (not comparable, particular, individual)

3. A piece of information, detail or note; a matter of discussion in an agenda
3.1 A short article in a newspaper (a news item); a point of view; a detailed description of an element or concept
3.2 A word to describe a sensational topic of gossip
3.3 A hint, an intimation or question

4. Two people having a romantic or sexual relationship
4.1 „They are an item.”

Synonyms

(object): article, object, thing
(seperate particular): point, unit, argument, element
(matter of discussion): subject, topic, concept
(relationship): couple (unit)



In der Frühphase war der Titel noch simpler: item. Meine Recherchen führten mich zu einem weiteren lateinischen Adverb, das wie das lateinische item mit ‚gleichermaßen‘ oder ‚ebenso‘ übersetzt wird: itidem. In beiden Fällen ist der Wortstamm ita (in dieser Weise, derart) und das Suffix -em bzw. -dem. Allerdings ist im Wort itidem auch der lateinische Begriff idem sichtbar, der so viel bedeutet wie: ‚derselbe, dieselbe, dasselbe‘. Und schließlich fiel mir der wesentliche Aspekt für die Entscheidung auf, der sich vor allem exakt mittig im Wort verbirgt: ID. In der besser sichtbar gemachten Abtrennung it[id]em beinhaltet es alle Begriffe und Bedeutungen: item, ID (kurz für Identität, lat. identitas) und idem.

Das Label gründet im zentralen Interesse an der Komplexität von Identität, Identifikation und Selbst, Ich und Ego. Die Tatsache, dass derart viele Wege im Wesentlichen zu diesem Kern führen, zeigt das Maß an Selbstbezogenheit, das damit verbundene, gesellschaftliche Ideal der Mitte, die Ausweglosigkeit auf der Suche nach absoluter Objektivität, allerdings auch die unmissverständliche, unproblematische und aufrichtige Rolle von Wahrnehmung und Bewusstsein an sich. Die Summe der lateinischen Begrifflichkeiten lässt schnell erkennen, dass es sich bezüglich der Identität – entgegen dem gängigen heutigen Selbstverständnis – um etwas handelt, das gleich ist. Beim Formen der Identität, wie es beim Prozess der Identifizierung mit einer beliebigen Sache (item) schneller offensichtlich wird, geschieht allerdings nichts anderes: Es findet ein Abgleich statt. Der Abgleich ist als eine Verbindung von Vergleich und Besitz zu verstehen.

In der Definition des englischen Begriffs item wird deutlich: Das Prinzip des Abgleichs bezieht sich – abseits vom Übertrag auf uns selbst, also der Identifikation – sowohl auf physische Dinge, die als Element auch zu einem anderen Ding beitragen können, als auch auf nicht physische Dinge, die sich klar abgrenzen und einordnen lassen können und sollen. Es ist also sowohl die Bezeichnung, als auch das sprachliche Werkzeug (word to introduce and highlight organisation), um etwas bezeichnen zu können, ohne es zu beschreiben. Um das tun zu können, muss es verglichen werden und es muss dabei - wenn auch nur vorübergehend, theoretisch oder platonisch - eine Gleichheit existieren.

Das Wort item bezieht sich also auf die Methode, sowohl zu trennen, abzugrenzen und vollständig zu entkoppeln (seperate particular), als auch letztlich wieder zusammenzuführen (unit), um die Möglichkeit zu schaffen, den Wert eines in sich abgeschlossenen, für sich stehenden Etwas zu messen und zu bestimmen. Dieser Prozess des Abgleichens ist weniger emotional, als er rational ist, ganz im Kontrast zur emotionalen Meinung diesbezüglich. Der Abgleich versucht Bausteine zu erstellen, möglichst kleine Teile zu fixieren, also eine Art Differenzierung zu sein, die die Bildung einer allgemein zugänglichen Sammlung zum Ziel hat, in der schlussendlich keine Verallgemeinerung mehr herrscht (to itemize).

Darüber hinaus ist der Abgleich wie bereits erwähnt ein Werkzeug für Besitz und Übertrag. Die Organisation im äußeren Abgleich, sichtbar in der Verwendung des Wortes item, das versucht, durch einen ständigen Wechsel von Spaltung und Fusion ein möglichst umfangreiches Angebot zu erstellen, ist die Basis, aus der nun nach Belieben und Sympathie gewählt und fixiert werden kann. Die Identifikation ist also auch Definition, die bedeutet, die jeweilige Position einnehmen zu können. Das ist nur möglich, da durch die Definition rational verarbeitbares Wissen verfügbar wurde, um zu dieser Überzeugung zu gelangen. Identität ist das Bedürfnis, sich selbst in der Welt integriert zu sehen und die eigene Position zu bestimmen – eine Form von Messung, Organisation und Struktur.

Visuell und konzeptionell gesprochen, ist die Identität – [id] – in der massiven Bedeutungs- und Definitionsspanne begründet und verankert, die das Wort item heute in englischer Sprache hat, und wird zu jeweils 50% davon umspannt. In gleicher Weise grenzen die Klammern sie auch isolierend davon ab, die Identität steht hervorgehoben für sich, allerdings dennoch mittig, wie eine Art Steuerzentrale. Die Mitte ist, kritisch und in allgemeiner Hinsicht ausgedrückt, das problematisch(st)e Ideal, mit dem unsere Wahrnehmung als unweigerlich zentraler Standpunkt (Erste-Person-Perspektive) gekonnt an jeglichem Träger und Material vorbei agiert und dabei ein hohes Maß an Ignoranz perfektioniert hat. Die Mitte ist aber auch der Schnittpunkt und genauso unausweichlich für die Existenz von Rand, wie der Rand unausweichlich ist für die Existenz der Mitte.

Das Wort item im Label umspannt die Identität wie jegliche Mode den Körper, ein tragbares item, das den Körper als zweite Haut umgibt. Wir tragen das Gewicht und nehmen es zu einem sehr großen Anteil als Körperteil wahr – wir identifizieren uns damit. Allerdings nicht nur mit der Kleidung selbst, sondern auch mit der Beschaffenheit und vor allem mit der Marke. Eine Marke ist nichts weiter als eine Markierung, eine Notation, ein Etikett, das bei unmissverständlicher Einordnung hilft und eine mehr oder weniger abstrakte Zugehörigkeit zu einer Gruppe herstellt. Es ist ein Abgleich mit einem nicht physischen item, einer Idee oder einem Ideal, das wiederum als Wort oder Design ein beliebiges Ding als Träger (aus)nutzt, um damit physisch zu werden und in einem solchen Fall sogar unmittelbar tragbar. Damit markieren wir uns auch selbst, notieren und heften uns ab, geben uns ein Etikett, ordnen uns ein und fixieren die eigene Position für uns selbst und die Wirkung nach außen.

Neben den rein praktisch-funktionalen Aspekten von Kleidung, ist sie eine sozial-gesellschaftlich notwendige zweite Haut für den Körper, die wie eine Leinwand ausschließlich als Träger dient, während es für diesen Träger, also den Stoff, einen weiteren Träger gibt. Das Subjekt selbst. Strukturell gesehen ist der Fokus auf Formen, Farben und Motive nicht nur ein Medium für den Ausdruck, – gemeinhin betrachtet als starkes Werkzeug zum Formen von Identität – sondern zugleich auch vielmehr ein Medium, um von dieser Identität abzulenken, sie zu verbergen oder zu schützen. Beiden Fällen geht die Überzeugung voraus, dass dies möglich ist.

Es geht also viel weniger um die Sache selbst und damit nur auf ganz selbstverständlicher, verwaltender Ebene um das Material Stoff, sondern vielmehr um das, was der Stoff letztlich transportiert – die Atmosphäre und Oberfläche. Ein weiterer Aspekt, zusätzlich zu Form, Farbe und Motiv, ist das Volumen, das allerdings kein bewusster Fokus ist, weil es klar durch die Form kontrolliert wird. Die Menge an Stoff wird hingegen völlig automatisch als Erweiterung des Körpers akzeptiert und kann stärkend oder belastend wirken. Das Volumen ist auf gleicher Ebene mit der Selbstverständlichkeit, dass Stoff als Material vorhanden ist.

Wenn die Identifikation also primär mit diesen Idealen stattfindet – der Blick in die Mitte – wird der Stoff als Träger ignoriert. Es ist der neue Rand der Körpers, der dazu dient, in optimierter Präsentation nach Innen zu führen. Es zeigt, wie professionell wir damit versuchen, den Fokus auf den tatsächlichen Träger, das Individuum, zu maximieren. Der Stoff als Träger, der einfach nur seinen Zweck erfüllen soll, unsere Haut zu verbergen, soll sozusagen virtuell in der Wahrnehmung wiederum transparent sein. Das Problem ist, dass diese Herangehensweise jeden Träger ignoriert, also auch die eigene Identität, die wir eigentlich hervorheben wollen. Das gilt sowohl für uns selbst, als auch für andere. Wer sich mittig positioniert, hat kein Interesse an seinen Rändern.

Obwohl wir die Oberfläche bearbeiten und perfektionieren, verschlucken wir sie, worin auch deutlich wird, dass wir Schwierigkeiten haben, die Anwesenheit von Haut oder Rand eben nicht als Träger unserer Identität wahrzunehmen. Gleichzeitig haben wir im Gegenüber nur Interesse an den Rändern anderer, während die gesamte Arbeit daran hinsichtlich des Ausdrucks eigentlich auf die Identität als Mitte zeigen soll. Aus diesem Grund funktioniert die Zugehörigkeit über die fiktive Gruppe einer Marke als Ersatz. Sie hilft als Ablenkung von der Tatsache, dass es offenbar einige schwerwiegende Probleme im grundsätzlichen Verständnis bei der Trennung in Außen und Innen gibt.

Ein ganz wesentlicher Aspekt dieses Projekts ist es, rückkoppelnde Effekte zu erzielen, die ganz grundsätzlich und strukturell darauf aufmerksam machen, wie wir uns selbst begreifen, die Welt der Dinge und Objekte, einschließlich nicht physischer Objekte (object oriented ontology), und welche Elemente davon wir gezielt und unbewusst ausblenden. Es geht in gleichem Maße darum, einen kommerziellen Exkurs dazu zu nutzen, dieses Thema bewusst zu vereinfachen, zu verallgemeinern und ganz klar, banal und drastisch erneut auf eine tragbare Oberfläche zu reduzieren. Darin liegt auch die Kritik bezüglich der Identifikation, die sich letztlich auch auf simplen Konsum zurückgeworfen sehen muss, wenn sich die Frage stellt, in welcher Weise eine Identität tatsächlich stabil, unabhängig und substanziell ist, wenn der Abgleich – mit welchen items auch immer (siehe Definition oben) – mehr eine Ablenkung und ein Ersatz ist, wie ein schlecht behandelter Mantel, anstatt ein konstant reflektierter Zustand oder Ablauf, den man weder überbewerten, noch ablehnen muss.